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Kik-Beschäftigte klagen über katastrophale Zustände

8 April 2010
Schlechte Bedingungen bim Textildiscounter Kik? (Foto: imago)

Schlechte Bedingungen bim Textildiscounter Kik? (Foto: imago)

Kik setzt auf billig – offenbar auch bei Arbeitern in der Dritten Welt. Reporter des NDR-Magazins “Panorama” jedenfalls kommen nach monatelangen Recherchen zu dem Ergebnis: Die Textilkette hält sich nicht an ihr Versprechen, die Produktionsbedingungen zu verbessern.

“Code of Conduct”

Wenn Kik wegen Ausbeutung von Mitarbeitern kritisiert wird, verweist das Unternehmen auf den “Code of Conduct”, einen Verhaltenskodex für Lieferanten aus Ländern wie Bangladesch. Der Kodex soll zum Beispiel Mindestlöhne und das Verbot von Kinderarbeit garantieren.

“Panorama” untersuchte Arbeitsbedingungen

Doch nach Recherchen des NDR haben die Näher in Bangladesch bislang offenbar nichts von den Versprechen. Das Magazin “Panorama” hat die Arbeitsbedingungen bei Kik und seinen Lieferanten über drei Monate recherchiert – und kommt zu verheerenden Ergebnissen.

Näherinnen verdienen offenbar nur zwischen 20 und 35 Euro im Monat

In der Reportage “Die Kik-Story”, die der NDR am Mittwochabend sendet, werden Näherinnen gezeigt, die Produkte für Kik anfertigen und zwischen 20 und 35 Euro im Monat verdienen. Sie klagen über unbezahlte Überstunden und Ausbeutung. Auf die “Panorama”-Frage, wie sie von dem Lohn leben könne, sagt eine Arbeiterin: “Jeden Tag nur Reis und vielleicht alle zwei Monate ein Hühnchen.”

Arbeitsforscher: Trotz Verhaltenskodex ändert sich nichts

Khorshed Alam, Arbeitsforscher in Bangladesch, erhebt in der Sendung schwere Vorwürfe gegen die Textilkette. Er hat die Bedingungen in 150 Textilfabriken des südasiatischen Staates untersucht. Darunter auch Fabriken, die für Kik produzieren. Alam sagt, der Verhaltenskodex diene dem Unternehmen nur zur Werbung und zur Imagepflege. An den katastrophalen Zuständen in den Fabriken habe sich nichts geändert. “Was Kik verspricht und was Kik dann tut, das hat kaum etwas miteinander zu tun”, sagt Alam dem NDR. Die Textilkette brüste sich in Bangladesch mit Wohltätigkeitsaktionen – doch die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen “nimmt Kik nicht wahr”.

Kik lehnt Stellungnahme ab

Das Unternehmen, das zum Tengelmann-Konzern gehört, wollte auf Anfrage von “Spiegel Online” “vor der Erstausstrahlung der Reportage keine Stellungnahme abgeben”. Man kenne den NDR-Beitrag noch nicht. Im September 2009 berichtete der “Spiegel” über die Bedingungen, unter denen Kik in Bangladesch produzieren lässt. Laut der Kampagne für saubere Kleidung spielen Discounter wie Kik und Lidl die Produzenten gegeneinander aus und drücken so die Preise. NDR-Autor Christoph Lütgert sagt, sämtliche Interviewwünsche seien von Kik abgelehnt worden. Zwar sei es ihm gelungen, den Kik-Gründer Stefan Heinig mit seinen Recherchen zu konfrontieren. Doch der öffentlichkeitsscheue Unternehmer habe beim Treffen in einem Düsseldorfer Hotel nur “kalt gelächelt” und eine Stellungnahme mit den Worten abgelehnt: “Ich weiß schon, was Sie wollen. Das machen wir ein anderes Mal.” Dazu sei es aber nicht gekommen, sagt Lütgert.

Miese Methoden auch in Deutschland?

Nicht nur in Bangladesch, auch in Deutschland haben die “Panorama”-Reporter für den 35-minütigen Film recherchiert. Dabei haben sie unter anderem Ria Ehret interviewt. Sie hat laut eigenen Angaben viele Jahre die Kik-Filiale in Heppenheim geleitet – für 700 Euro netto im Monat. Als sie mit Kollegen überlegt habe, einen Betriebsrat zu gründen, sei nur wenige Tage später die Unternehmensleitung aufgetaucht – und habe gleich eine komplett neue Mannschaft für die Filiale mitgebracht, sagte Ehret “Panorama”. Kik hat gegenüber dem NDR alle Vorwürfe dementiert, wollte sich aber nicht im Detail dazu äußern.

Ex-Manager kritisiert Kik-Gründer Heinig

Auch von einem ehemaligen Manager des Unternehmens kommt Kritik. Manfred Regenbrecht sagte “Panorama”, wenn jemand zu seiner Zeit bei Kik das Wort Betriebsrat in den Mund genommen hat, sei das “gleichzusetzen mit der Kündigung” gewesen. Unternehmensgründer Heinig sei ein “Kostendrücker” – und “darauf auch richtig stolz”.

Quelle: T-Online vom 07.04.2010

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