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Exil-Parteivorstand – Sopade

Der SPD-Vorstand im Exil wurde Sopade genannt, eine Bezeichnung, deren Ursprung unbekannt ist. Sie wurde nicht nur für den Vorstand, sondern auch für SPD-Mitglieder im Exil verwandt. Prag, die Hauptstadt der Tschechoslowakischen Republik, war die erste Station der Sopade-Zentrale. Zur Prager Sopade gehörten die Vorsitzenden Otto Wels und Hans Vogel, der Redakteur des “Vorwärts” Friedrich-Stampfer sowie weitere Mitglieder und mehrere Mitarbeiter des Parteivorstands, von denen Erich Ollenhauer, Fritz Heine und Erich Rinner erwähnt seien. Die parlamentarischen Vorstandsmitglieder Rudolf Hilferding und Rudolf Breitscheid flohen nach Frankreich ins Exil, Hilferdings Flucht führte über Dänemark und die Schweiz nach Paris, Breitscheid emigrierte zuerst in die Schweiz und gelangte von dort aus nach Paris.

Primärer Zweck des Exils ist stets die Rettung vor politischer Bedrohung der Personen gewesen. Dieser Zweck war in der Zeit der expandierenden NS-Herrschaft von eminenter Bedeutung. Vor allem für Frauen und Männer des Widerstands und für Juden war das Exil oft die einzige Überlebenschance. Doch die Prager Sopade setzte sich vor allem politische Ziele und Aufgaben

  • die Welt über die verbrecherischen Taten und Pläne des NS-Regimes aufzuklären sowie über die Vorgänge in Deutschland zu berichten
  • den Widerstand gegen das Regime zu unterstützen, besonders durch Informationen und Publikationen
  • Stellungnahmen zu politischen Ereignissen und Entwicklungen abzugeben
  • die Arbeit an der sozialdemokratischen Programmatik fortzusetzen.

In der Tschechoslowakei waren die Bedingungen für die Erfüllung dieser Aufgaben günstig: die Sopade erhielt von ihren sudetendeutschen Parteigenossen solidarische Unterstützung. In Karlsbad richtete die Sopade ihren eigenen Verlag “Graphia” ein. Periodika der Sopade in der Tschechoslowakei waren “Neuer Vorwärts” und “Sozialistische Aktion”. Aufschlussreiche und verlässliche Informationen über Nazi-Deutschland enthielten die von Rinner redigierten “Grünen Berichte”.

Die sogenannten Grenzsekretäre, sozialdemokratische Kuriere, überbrachten Nachrichten und Informationen aus dem Machtbereich der NS-Diktatur und kehrten mit Neuigkeiten und politischen Gedanken der freien Welt in ihre Ausgangsorte zurück, wenn sie ihren gefährlichen Ausflug heil überstanden hatten. Sie waren es auch, die Sopade-Publikationen nach Deutschland beförderten und sie heimlich verbreiteten.

Der Griff der NS-Machthaber nach der Tschechoslowakei zwang die Sopade 1938 zum Verlassen dieses Landes. Paris war die nächste Station ihres Exils. Sie war weit ungünstiger als die erste, und der Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. Otto Wels starb am 16. September 1939 in Paris. Bei der deutschen Besetzung Frankreichs flüchteten viele Bedrohte in die zunächst unbesetzte Zone im Süden des Landes. Fritz Heine und sein Freund Erich Lewinski retteten in Marseille besonders Gefährdete durch die Organisierung ihrer Überfahrt nach den USA. Hans Vogel, Erich Ollenhauer und Fritz Heine selber machten von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch, denn sie wollten den Ereignissen in Europa nahe bleiben. Sie nahmen mit ihren Familien den unsicheren Fußweg über Spanien nach England und erreichten London im Dezember 1940, im Januar 1941 und im Juni 1941.

Diese dritte und letzte Station des sozialdemokratischen Exils wurde die politisch wichtigste, denn in der britischen Metropole wurden die Weichen für die Zukunft gestellt. In London wurde der entscheidende Schritt zur Überwindung der Zersplitterung der sozialdemokratisch orientierten Arbeiterbewegung getan: Am 19. März 1941 wurde die “Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien” gegründet. Diesem Dachverband gehörten neben der SPD und den Freien Gewerkschaften die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP), die Gruppe Neu Beginnen und der Internationale Sozialistische Kampfbund (ISK) an.

Nach 1945 traten die meisten Mitglieder dieser Organisationen der SPD bei, bauten in den Westzonen und in Westberlin die SPD wieder auf. Viele übernahmen wichtige Ämter im Staat und in der Gesellschaft. Diese Leistungen trugen zur Stabilität und zum internationalen Ansehen der Bundesrepublik Deutschland bei.

Literaturempfehlung:

  • Friedrich-Ebert-Stiftung (Herausgeber): Widerstand und Exil der deutsche Arbeiterbewegung 1933 -1945. Grundlagen und Materialien. Neue Gesellschaft, Bonn 1982.
  • Sabine Lemke-Müller: Ethik des Widerstands. Der Kampf des Internationalen sozialistischen Kampfbundes (ISK) gegen den Nationalsozialismus”, J.H.W. Dietz Verlag, Bonn 1996.