“Freiheit und Leben kann man uns nehmen – die Ehre nicht”
“Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.” Mit diesen Worten lehnte Otto Wels vor 70 Jahren am 23. März 1933 Adolf Hitlers Ermächtigungsgesetz ab. Der damalige SPD-Parteivorsitzende, Bundeskanzler Gerhard Schröder, erinnert 2003 in einer Erklärung an “den Mut der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten, die sich den Nationalsozialisten widersetzten, obgleich Sozialdemokraten verfolgt und verhaftet wurden”.
Den Mut von Otto Wels würdigt im selben Jahr auch SPD-Generalsekretär Olaf Scholz: “Die Ehre, die Wels Mut bewahrte, war auch die des deutschen Parlamentarismus.”
“Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.” Die Worte, mit denen der Parteivorsitzende der SPD, Otto Wels, Adolf Hitlers Ermächtigungsgesetz in seiner Rede ablehnte, waren bitterer Ernst. Als Wels gemeinsam mit den Abgeordneten der Reichstagsfraktion der SPD am 23. März 1933 den Weg zum provisorischen Tagungsort des Reichstags beschritt, passierte er ein Spalier von johlenden und drohenden SA-Männern.
Tatsächlich waren Freiheit und Leben von Sozialdemokraten im März 1933 bedroht. Otto Wels hatte wegen des Terrors der Nationalsozialisten seit Wochen nicht mehr in seinem Haus leben können. Zeitweise hatte er Deutschland verlassen müssen. Viele Sozialdemokraten, Parteiführer ebenso wie Tausende von einfachen Parteimitgliedern, endeten in Konzentrationslagern oder im Exil. So auch Otto Wels: Er starb am 16. September 1939 in Paris.
Trotz der Drohungen der Nationalsozialisten widerstanden die Sozialdemokraten als einzige Partei im Reichstag dem Ansinnen, die Demokratie in Deutschland mit einem Gesetz zu beseitigen aus prinzipiellen Gründen:
“Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus. [...] Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten. [...] Das Sozialistengesetz hat die Sozialdemokratie nicht vernichtet. Auch aus neuen Verfolgungen kann die deutsche Sozialdemokratie neue Kraft schöpfen. Wir grüßen die Verfolgten und Bedrängten. Wir grüßen unsere Freunde im Reich. Ihre Standhaftigkeit und Treue verdienen Bewunderung. Ihr Bekennermut ihre ungebrochene Zuversicht – verbürgen eine hellere Zukunft.”





