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KPD – Spaltung der deutschen politischen Arbeiterbewegung

Die KPD wurde um die Jahreswende 1918/1919 als Zusammenschluss des Spartakusbundes und der Internationalen Kommunisten gegründet. Die Radikale Linke hatten sich von der SPD getrennt, weil sie im ersten Weltkrieg die Politik des “Burgfriedens” nicht mittragen wollte. Unter Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (die beide schon am 15. Januar 1919 ermordet wurden), und ihrer Nachfolger war die neue Partei zunächst eine schwache Organisation.

Mit ihrer radikal-marxistischen Programmatik wies die KPD anfangs noch Unterschiede zum Leninismus auf, obwohl sie seit 1919 der Kommunistischen Internationale als “Sektion” angehörte. Die Partei erstrebte die Sozialisierung der Wirtschaft und die politische Macht der Räte und glaubte auf diesem Wege – im Rahmen der Weltrevolution – zur klassenlosen Gesellschaft zu gelangen. Breite innerparteiliche Demokratie war für die junge Partei eine Selbstverständlichkeit.

Doch die neugegründete KPD war heterogen: einige hervorragende Marxisten standen an der Spitze, es gab aber nur wenige politisch geschulte Funktionäre, der Zulauf anarchistischer und abstrakt-radikaler Kreise führte zu putschistischen Tendenzen. Es kam zu Differenzen zwischen der Parteiführung unter Paul Levi und den ultralinken Kreisen. Auf dem II. Parteitag im Oktober 1919 verließ der radikale Flügel die KPD; er hatte zunächst die Mehrheit der 100.000 Mitglieder hinter sich und gründete im April 1920 die Kommunistische Arbeiterpartei, die KAPD. Zwar spielt die relativ kleine KPD, die in den Bürgerkriegskämpfen 1919 illegal wirkte, in den revolutionären Auseinandersetzungen eine Rolle (sie leitete die kurzlebigen Räterepubliken in München und Bremen), sie konnte aber ihre innere Struktur nur schwer festigen. In der revolutionären Nachkriegskrise bis 1923 schwankte die KPD zwischen einer Politik der Einheitsfront mit den übrigen Arbeiterorganisationen einerseits und Aufstandsversuchen anderseits, sie musste ihren ideologischen Standpunkt zwischen Syndikalismus und Sozialdemokratie erst finden.

Eine Massenpartei wurde die KPD erst Ende 1929. Die Radikalisierung der deutschen Arbeiterschaft hatte zur Stärkung der USPD geführt, deren linker Flügel sich dem Kommunismus näherte. Im Oktober 1920 spaltete sich die USPD, im Dezember schloss sich die linke USPD mit über 350. 000 Mitgliedern, einem funktionierenden Parteiapparat und zahlreichen Tageszeitungen mit der knapp 80. 000 Mitglieder zählenden schwachen Parteiorganisation der KPD zusammen. Die vereinigte Kommunistische Partei bekannte sich zur Kommunistischen Internationale, erstrebte die Diktatur des Proletariats und das Rätesystem und wollte ihre Organisation nach den Prinzipien eines demokratischen Zentralismus aufbauen.

Im Herbst 1923 bereitete die KPD einen revolutionären Umsturz vor, wobei sie sich am Schema der russischen Oktoberrevolution orientierte und einen bewaffneten Aufstand vorbereitete. Doch nur in Hamburg kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen; der isolierte Aufstand wurde rasch niedergeschlagen. Damit war die letzte größere militärische Aktion der KPD in Deutschland zusammengebrochen. Der Partei war es in ihrer ersten Phase nicht gelungen, durch einen Umsturz an die Macht zu kommen. Die Partei wurde bis zum 1. März 1924 verboten.

Innerhalb der KPD kam es zu erbitterten Debatten über Schuld am Misslingen der Revolution. Auch die Differenzen in der Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) griffen auf die KPD über. Dabei verlor die “rechte” Brandler-Führung durch die Radikalisierung der Parteimitglieder ihren Einfluss. Auf dem IX. Parteitag 1924 übernahm der linke Parteiflügel (Ruth Fischer, Maslow, Scholem, Thälmann) die Parteiführung. Diese neue Leitung schlug einen ultralinken Kurs ein und wechselte das Funktionärkorps fast vollständig aus. Unter der Losung der “Bolschewisierung” der Partei wurde, ein ideologischer Kampf gegen den “Luxemburgismus”, und damit gegen die eigene Tradition geführt. Die KPD schloss sich auch sofort dem “Kampf gegen den Trotzkismus” an. In der Praxis führte die “Bolschewisierung” zunächst zum Erlahmen des innerparteilichen Lebens. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik 1924/25 führten die radikalen Parolen der Parteiführung und ihre ultralinke Politik zu einer zunehmenden Isolierung der Kommunisten. Ihre Wähler gingen von 3,7 Millionen (Reichstagswahl Mai 1924) auf 1,9 Millionen (Präsidentenwahl April 1925) zurück, der kommunistische Einfluss in den Gewerkschaften verschwand fast völlig.

In der Periode bis 1928 wandelte sich die KPD durch ihre Stalinisierung von einer linksradikalen Arbeiterpartei mit innerer Demokratie in eine straff zentralisierte und disziplinierte Parte stalinistischen Typus, in der die Führung mit Hilfe des hauptamtlichen Apparats allein bestimmte und – als Sektion der Komintern – die Politik entsprechend den Weisungen der Sowjetunion Stalins praktizierte. Ende 1928 und Anfang 1929 wurden die rechten Kommunisten unter Brandler, Thalheimer, Frölich und Walcher ausgeschlossen, die “Versöhnler” unter Ernst Meyer und Ewert verloren ihre führenden Funktionen. Der XII. Parteitag der KPD im Juni 1929, der letzte in der Weimarer Republik, bestätigte den ultralinken Kurs der Partei, die nunmehr eine monolithische Organisation stalinistischen Typus geworden war.

Die KPD stand in der Weimarer Republik in einem aufreibenden Kampf gegen die Staatsgewalt, gegen die konkurrierende Arbeiterpartei, die SPD, und später auch gegen die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Die Kommunisten bemühten sich, die Revolution vorzubereiten, zugleich aber waren sie in zunehmendem Maße der russischen Politik und Stalin verpflichtet. Gerade daraus resultierten ständige politische Wendungen und innerparteiliche Auseinandersetzungen, Fraktionskämpfe sowie Ausschlüsse von “Abweichlern”. Damit geriet die Partei in andauernde Schwierigkeiten.

Die Weltwirtschaftskrise radikalisierte die Arbeiter und stärkte die KPD. Während die Partei in den zwanziger Jahren 100.000 bis 150.000 Mitglieder zählte, wuchs sie nun auf fast 300.000 Mitglieder und nahezu 6 Millionen Wähler an. Unter Führung Ernst Thälmanns glaubte die KPD an eine revolutionäre Situation in Deutschland. Trotz der heraufziehenden Gefahr des Nationalsozialismus sah die KPD – entsprechenden den Komintern-Vorstellungen – in der SPD ihren Hauptfeind (”Sozialfaschismus”). Sie erklärte, es bestehe kein prinzipieller Unterschied zwischen Weimarer Republik und Hitler-Faschismus, womit sie die antifaschistischen Kräfte schwächte. 1933 wurde die KPD von der Hitler-Regierung als erste Partei zerschlagen, sie brachte im Widerstand gegen den Faschismus die größten Blutopfer.

Die KPD hatte sich von der Sozialdemokratie – die traditionell die Demokratie vertrat – abgespalten. Auch in Deutschland erstrebten die Kommunisten die Diktatur ihrer Partei (”Diktatur des Proletariats” genannt), und sie orientierten sich zunehmend an der Stalin-Diktatur in der Sowjetunion. Damit waren ihre Bindungen an die freiheitliche Arbeiterbewegung zerschnitten, KPD und SPD bekämpften sich seitdem als feindliche Strömungen, die Spaltung der Arbeiterbewegung war zementiert.

Literaturempfehlung:

  • Historische Kommission beim Parteivorstand der SPD (Herausgeber): Das Demokratieverständnis bei Sozialdemokraten und Kommunisten in der Weimarer Republik. Broschürenreihe Geschichtsarbeit Band 2, Bonn 1993, 79 Seiten, (Bestellnummer: 300 0035 bei SPD-Parteivorstand, 10963 Berlin).
  • Susanne Miller: Die Bürde der Macht. Die deutsche Sozialdemokratie 1918-1920. Droste-Verlag, Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (Herausgeber), Bonn 1978.